Bundesjugend im DSB e.V.

Bundesjugend im DSB e.V.

- Netzwerk -

Hörgeschädigte Kinder und Jugendliche an Regelschulen

Die Bundesjugend im Deutschen Schwerhörigenbund e.V. ist ein Interessenverband von Frühschwerhörigen im Alter bis 35 Jahren. In ihr sind Jugendgruppen unterschiedlicher Größen mit insgesamt rund 700 Mitgliedern organisiert. Die Jugendgruppen bieten neben sportlichen Aktivitäten, Kino- und Discoabende, Spielnachmittage, kulturelle Veranstaltungen, Gesprächskreise, Fahrradtouren, Ausflüge u.a. an. Darüber hinaus werden überregionale Wochenendfreizeiten und Seminare organisiert.

Ziel der Bundesjugend ist es, schwerhörige, ertaubte und CI-implantierte Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit zusammenzubringen. Für uns Hörbehinderte ist das Zusammensein mit Gleichbetroffenen wie eine „Tankstelle“, an der wir Kräfte für den Alltag auftanken können. Hier erleben wir lockere und entspannte Kommunikation. Darüber hinaus setzen wir uns im Erfahrungsaustausch mit unserer Hörbehinderung bewußt auseinander. Gerade frühschwerhörige Kinder und Jugendliche müssen lernen, zu ihrer Hörbehinderung zu stehen, Grenzen zu akzeptieren, aber auch eigene Stärken zu erkennen und zu nutzen. Wir denken, dass dies vor allem in der Gemeinschaft mit anderen Hörbehinderten gelingen kann.

Ich selbst bin seit Geburt hörbehindert. Einer sehr frühen Hörgeräteversorgung und einer intensiven Förderung durch meine Eltern habe ich es zu verdanken, dass ich ausschließlich Regelschulen besuchte, was vor 26 Jahren (ich wurde 1973 eingeschult) noch eher eine Ausnahme war.

Die Schulzeit war für mich nicht einfach. Den Unterricht bewältigte ich recht gut, obwohl ich mich weigerte, die Mikroportanlage zu tragen. Den Stoff las ich daheim in Büchern nach. Ich fiel selten auf und kompensierte meine mündlichen Nulleistungen mit schriftlichem Fleiß. Zu meiner Schwerhörigkeit bekannte ich mich damals nicht. Im Gegenteil, ich entwickelte geschickte Taktiken, um sie zu verbergen. Eigentlich wußte ich damals auch nicht, wie ich meinen Mitschülern mein Problem mit dem „Schlechter Hören“ erklären sollte.

Ich erlebte damals oft das Gefühl , Außenseiterin zu sein, was mein Selbstwertgefühl tief sinken ließ. Zwar hatte ich eine gute Freundin, die mich überallhin mitnahm, aber so richtig integriert fühlte ich mich nie.

Zum Glück brachten meine Eltern mich dazu, Kontakt mit anderen Schwerhörigen aufzunehmen. Mit 19 Jahren nahm ich zum ersten Mal an einem Sommercamp (1989) der Bundesjugend teil. Die zwei Wochen waren für mich ein einschneidender Wendepunkt in meinem Leben. Ich genoß damals so richtig die Zeit mit anderen Schwerhörigen. Endlich mal entspannt unterhalten, das Gefühl zu haben, in einer Gruppe integriert zu sein. Seit dieser Zeit bin ich aktiv im Schwerhörigenverein. Ich lernte, meine Schwerhörigkeit mit ganz anderen Augen zu sehen und sie mit der Zeit zu akzeptieren und zu ihr zu stehen.

Meine Schwerhörigkeit verlief von Anfang an progredient. 1999 habe ich mich nach einigen Jahren des Schwankens für das Cochlear–Implant( CI ) entschieden und mich in der Medizinischen Hochschule Hannover operieren lassen. Jetzt lebe ich bereits zwei Jahre mit dem CI und bin mit meinem neuen Hören rundum glücklich. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, mit dem CI telefonieren, sogar Publikumsverkehr am Arbeitsplatz machen zu können. Die Kommunikation ist nun erheblich leichter, ich bekomme viel mit, was um mich herum passiert und das gibt mir ein großes Stück Sicherheit. Ich bin unabhängiger geworden und fühle mich – vor allem am Arbeitsplatz – nun endlich integriert. Trotzdem bin ich heute immer noch schwerhörig und stoße, vor allem in Gruppengesprächen oder in lauter Umgebung, immer wieder an meine Grenzen.

Ich habe bisher viele unterschiedlichen Erfahrungen mit meiner Hörbehinderung sammeln können. Zuerst war ich mittelgradig bis hochgradig schwerhörig, dann resthörend, ertaubt und nun CI - Trägerin. In meiner Schulzeit hatte ich bis auf meinen Bruder nur Kontakt zu Guthörenden. Später mit Beginn meines Studiums verbrachte ich meine Freizeit öfters mit Schwerhörigen. Nachdem mein Gehör immer schlechter wurde nahm ich Kontakt mit dem Gehörlosenverein auf, war einige Jahre sehr aktiv im Gehörlosensport und lernte die Gebärdensprache kennen. In dieser Zeit mußte ich aber feststellen, dass ich mir ein Leben ohne Lautsprache nicht vorstellen kann. Dies war schließlich ausschlaggebend für meine Entscheidung für das CI.

Zurückblickend muß ich sagen, das Allerwichtigste für mich war sicherlich, dass meine Eltern mich überreden konnten, Kontakt zu anderen Schwerhörigen aufzunehmen. Ohne diesen Kontakt wäre für mich vieles nicht so positiv verlaufen. Von daher finde ich es sehr wichtig, hörbehinderte Jugendliche und Kinder, zu motivieren, Kontakte zu anderen Hörbehinderten aufzunehmen.

Als die Bundesjugend letztes Jahr das Summercamp organisierte und durchführte, wurde deutlich, wie schwer es ist, schwerhörige Jugendliche an Regelschulen auf unsere Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Wir wissen nicht, an welchen Schulen sie sind bzw. wie wir sie erreichen können. Die Werbung über Internet führte dazu, dass einige Regelschüler am Sommercamp teilnahmen. Gerade diese Jugendliche waren begeistert von der Veranstaltung. Mehrere von ihnen sind nun aktiv im Schwerhörigenverein.

Diese Erfahrung motiviert mich, mit der Bundesjugend, ein Netzwerk „Schwerhörige an Regelschulen“ aufzubauen. Neben dem Austausch schwerhöriger Kinder und Jugendliche an Regelschulen untereinander, soll auch der Austausch unter den Eltern, Pädagogen und uns schwerhörigen Erwachsenen gefördert werden.

Mit Hilfe eines Netzwerkes sollen möglichst viele Informationen über Veranstaltungen für schwerhörige Kinder und Jugendliche und für deren Eltern die schwerhörigen Regelschüler bundesweit erreichen. Hierzu möchten wir zuerst möglichst viele Adressen sammeln und in einer Datei speichern. Werden uns Veranstaltungen bekannt, können sie dann über einen Verteiler an die gespeicherten Adressen entweder über den Postweg oder über E - Mail verschickt werden. Damit der Datenschutz gewährt bleibt, werden die gespeicherten Adressen für andere Zwecke nicht herausgegeben. Alle Verbände, die mit und für Schwerhörige arbeiten, also nicht nur die Bundesjugend, sondern auch Elternverbände, CI-Verbände u.a. sollen die Möglichkeit haben, die Kartei zu nutzen.

Darüber hinaus möchten wir im Internet unter Schwerhoerigen-netz.de eine Seite für diese Zielgruppe einrichten.

Ich bitte daher alle Vereine, Verbände und Institutionen, dieses Projekt zu unterstützen

Dies kann dahingehend geschehen, daß sie uns Adressen von schwerhörigen Regelschülern mitteilen ( oder Schulen, die von schwerhörigen Regelschülern besucht werden). Wichtig ist es, uns Infos über Veranstaltungen für junge Schwerhörige und Eltern zukommen zu lassen, damit wir sie weiterleiten können.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich viele schwerhörige Regelschüler und Eltern bei uns melden und sich registrieren lassen. Vielleicht schaffen wir es, den Informationsfluß bundesweit zu verbessern und somit schwerhörigen Regelschülern die Erfahrung der Gemeinschaft mit anderen Schwerhörigen zu ermöglichen.

Man kann sich bei folgender Adresse informieren und registrieren lassen:

Petra Blochius

Mainstrasse 11

64331 Weiterstadt

E-mail: petra.blochius@t-online.de

Tel: 06150/ 187588 Fax. 06150/ 187783